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100-jaehrige-haben-antioxidative-proteine-wie-unter-60-jaehrige


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Die Studie mit 100-Jährigen

In der Zeitschrift 'Aging' haben Flavien Delhaes und ihre Kollegen eine spannende Studie veröffentlicht. 100-Jährige haben 37-Proteine, die u.a. antioxidativ sind, d.h. Stress beseitigen. Die Proteine wären so wie bei unter 60-Jährigen.
Das Studiendesign vergleicht insgesamt 40 100-Jährige, mit 60 80-Jährigen und mit 40 30-60-Jährigen. 3 Altersabschitte und insgesamt 724 Proteine, die man untersucht hat.
37 Proteine davon waren auffällig. Bei Hundertjährigen waren sie wie so wie bei den Jüngsten Studienteilnehmern. Ist der Schluß auf 'jugendassoziierte Proteine' und einem verlangsamten Alterungsprozess gerechtfertigt?
Fünf dieser Proteine schienen den oxidativem Stress (Entzündungen, defekte Mitochondrien) zu verlangsamen. Weitere waren an der Krebsabwehr beteiligt, wobei (das ist die generaliserte Aussage der Studie) die entscheidende Stellschraube für uns Nicht-Hundertjährige daher ein gesunder Lebensstil sei.

Kritik an den Schlussfolgerungen der 100-Jährigen-Studie

Was macht die Studie und insbesondere deren Schlussfolgerung problematisch? Was ist merkwürdig?
1.Die Studie fand in der Schweiz statt. Sind Schweizer repräsentativ? Würde man die Schlussfolgerung auf sich übertragen können?
2.Die untersuchten Gruppen sind unfassbar klein. Es würde nicht verwundern, wenn die nächste Studie ganz andere Proteine findet.
3.Die 100-Jährigen Studienteilnehmer haben teilgenommen. Trivialerweise. Aber dazu muss man nicht nur am Leben, sondern auch in der Lage sein. Nichtlebende schließen sich natürlich aus, eine perfekte künstliche Selektions-Maschine, d.h. es geht hier um hochselektive und 'gesunde' 100-Jährige.
4.Man hat 3 Altersgruppen untersucht, keine Zeitreihe, d.h. von jung über mittelalt zu hochbetragt und hier die 37 Proteine verfolgt.
5.Die 3 Gruppen sind ein Querschnitt, hier ist ein Kausalschluß (eine Lebensstiländerung macht alt) nicht mal im Ansatz möglich.
6.724 Proteine hat man untersucht. Bei einem Irrtumsrisiko von 5% (falsch-positiver Befund) käme man in etwa auf die 37, d.h. allein der Zufall wäre in der Lage, ein solches Studienergebnis zu produzieren, ohne dass dem echte Gesetzmäßigkeiten unterliegen.
7.Auch wenn die Studie fancy Statistiken auffährt (eine fraktionale polynomiale Regression zwischen Alter und Proteinen), so ist dieses Verfahren letzlich eines von sehr vielen möglichen und ein Probierverfahren. Es wird viel gerechnet, Irrtumsrisiken nicht korrigiert und letztlich nach Guck-und-Schau selektiert, was eben so anfällt.
8.Alter ist eine sogenannte Organismus-Variable. Man findet sie vor (wie das Geschlecht). Sie ist da und mit ihr eine sehr lange Reihe von weiteren Eigenschaften, d.h. diese Variablen können mit allem Möglichen vergesellschaftet sein, so dass man letztlich auch Scheinkorrelationen vorfindet.
9.Man hat vielleicht eine Korrelation, aber keine Kausalität nachgewiesen. Vielleicht eine Scheinkorrelation. Ein Beispiel ist das erhöhte Einkommen von Grauhaarigen Personen, die Karriere gemacht haben. Die grauen Haare sind nicht die Ursache, daher nützt es nichts, sich die Haare grau zu färben, um ein höheres Einkommen zu erzielen. Gleiches gilt für Proteine im Körper.
10.Es wird noch schlimmer. Es sind keine Apriori-Hypothesen zu finden. Die Studie scheint in keinem Studienregister gemeldet zu sein. Damit wäre das der Worst-Case: Eine Studie mit (zu) vielen Zielparametern und ohne nachgewiesene apriori-Hypothesen. Damit ist jede Schlussfolgerung schon per se ungültig (wenn man nicht weiß, was man nachweisen will, hat man im Nachhinein auch nichts nachgewiesen).
11.Niemand weiß zur Zeit, was genau ein gesunder Lebensstil sein soll, den man in dieser Studie noch nicht mal untersucht hat. Niemand weiß, wie genau ein Lebensstil bestimmte Proteine im Körper 'steuern' soll (es gibt viele Ideen, aber der Nachweis wird zur Zeit sehr kontrovers diskutiert, d.h. letztlich weiß man nichts Definitives).

Fazit

Vorgefundene Alterskorrelationen in kleinen Stichproben und all die oben genannten wirklich schwierigen Probleme (die Liste könnte man locker auf das dreifache verlängern), verbieten auch nur im Ansatz jeden Schluss (wie man mit einem gesunden Lebensstil die richtigen Proteine bekommt, um 100 zu werden). Back to Square one.

Referenz

Delhaes F, Falciola J et al. Plasma Proteome Profiling of Centenarian Across Switzerland Reveals Key Youth-Associated Proteins.Aging (2026); 25 (2).